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Neptun Wasserpreis 2011

Siegerprojekte und Nominierungen

Hauptpreis

Titel: Lebensraum im Mündungsabschnitt des Flusses Traisen
Eingereicht von: VERBUND
Projektbeschreibung:
Bei Errichtung des Donaukraftwerks Altenwörth im Jahr 1976 wurde die Traisenmündung in das Unterwasser des Kraftwerks verlegt. Dazu wurde die Traisen, einer der größten Flüsse Niederösterreichs, um 7,5 Kilometer verlängert und in einem regulierten Flussbett geführt. Infolge finden kaum mehr Ausuferungen statt, die Au und deren Gewässerlebensräume verlanden zusehends. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind in ihrem Fortbestand bedroht. Das im EU-Programm LIFE+ geförderte und 2009 gestartete Projekt von VERBUND und PartnerInnen sieht die Herstellung eines natürlichen Flussabschnitts anstelle des regulierten Flussbetts vor. Bestehende Augewässer werden mit dem neuen 12 Kilometer langen Flusslauf vernetzt. Dadurch entsteht eine Vielzahl neuer Lebensräume, die den Bestand gefährdeter Arten sichern. Der neue Traisenunterlauf wird für Fische und andere Lebewesen frei passierbar sein. So werden erstmals seit 35 Jahren wieder Donaufische in die Traisen einwandern können.

„Der Preis wird an die VERBUND AG als Auftrag, den begonnenen Weg einer Ökologisierung konsequent weiter fortzusetzen, vergeben“, hieß es in der Jurybegründung.

Muendung des Flusses Traisen
Foto: VERBUND

Siegerprojekt WasserSCHUTZ

Titel: Nachhaltiger Hochwasserschutz Tattendorfs
Eingereicht von: Gemeinde Tattendorf
Projektbeschreibung:
Die Gemeinde Tattendorf wurde in den letzten 13 Jahren von drei sehr starken Hochwässern heimgesucht. Bereits 1997 entstanden die ersten Pläne für einen neuen Hochwasserschutz. Die Bevölkerung wünschte sich eine Aufweitung und Eintiefung des Flussbettes sowie betonierte Ufermauern. Für die Gemeinde hingegen kam nur eine Lösung im Einklang mit der Natur in Betracht. Grundidee für den ökologischen Hochwasserschutz war es, alte Überschwemmungsflächen wieder zu aktivieren und durch Geländeanhebungen oder -absenkungen das Wasser im Katastrophenfall um den Ort herumzuführen. Auch die trocken gefallenen Triesting-Auen sind heute als Retentionsflächen mit einbezogen und werden somit bei Hochwasser überflutet. Eine der größten Herausforderungen für die Gemeinde war es, die Bevölkerung und die zahlreichen GrundbesitzerInnen zu überzeugen. Nach langwierigen Verhandlungen und zahlreichen BürgerInnenversammlungen konnte das Projekt 2010 fertiggestellt werden.  

Hochwasser Tattendorf
Foto: Gemeinde Tattendorf

Zu den Nominierungen WasserSCHUTZ

Siegerprojekt WasserWELT

Titel: WADI | Water for Life
Eingereicht von: Helioz Research and Development GmbH
Projektbeschreibung:
Mangelnder Zugang zu sauberem Trinkwasser ist die Ursache für rund 80 Prozent aller Krankheiten und Todesfälle in Entwicklungsländern. Seit 15 Jahren ist unter dem Namen SODIS eine denkbar einfache Methode zur Trinkwasserdesinfektion bekannt. Eine mit Wasser gefüllte PET-Flasche wird in die Sonne gelegt, durch die UV-Strahlung der Sonne sind nach ungefähr sechs Stunden die Keime im Wasser abgetötet. Die genaue Dauer hängt etwa von der Bewölkung ab. Weil ungewiss ist, ab welchem Zeitpunkt das Wasser wirklich desinfiziert ist, hat sich die Methode bislang nicht durchschlagend verbreitet. Mit WADITM liegt nun ein Gerät vor, das die optimale UV-Bestrahlungszeit anzeigt. Das Gerät ist mit einer einfachen solarbetriebenen Elektronik ausgestattet und wird auf den Flaschenhals geschraubt. Sobald das Wasser desinfiziert und somit trinkbar ist, erscheint auf einem Display ein Smiley-Symbol.

Trinkwasserdesinfektion - WADI
Foto: Helioz GmbH

Zu den Nominierungen WasserWELT

Siegerprojekt WasserKOMMUNIKATION

Titel: Aufklärungskampagne „Denk KLObal, schütz den Kanal!“
Eingereicht von: Gemeinschaft Steirischer Abwasserentsorger (GSA)
Projektbeschreibung:
Allein in der Steiermark entstehen durch unsachgemäße Entsorgungen über den Kanal Mehrkosten von sechs Millionen Euro pro Jahr. Hygieneartikel, Strümpfe, Altöle und vieles mehr landen über die Toiletten im Kanal und verursachen aufwändige Reinigungs- und Reparaturarbeiten. Um die Bevölkerung über die unwissentlich verursachten hohen volkswirtschaftlichen Kosten zu informieren und ein verbessertes Kanalbewusstsein zu schaffen, haben sich die Steirischen Abwasserentsorger zu einer landesweiten Initiative entschlossen. Durch Inserate, Plakate, Flugblätter, Medienberichte, Give-Aways und Aktionen wurde im Frühjahr 2010 eine Informationskampagne mit vielen Überraschungseffekten gestartet. Gastronomie- und Tourismusbetriebe sind ebenso eingebunden wie Unternehmen, Gemeinden und Schulen. Gemeinden werden mit speziellen Bürgermeisterpaketen bespielt, in Schulen werden spezifische Projekte zum Thema Kanal angeboten.

Denk KLObal!
Foto: GSA

Zu den Nominierungen WasserKOMMUNIKATION

Siegerprojekt WasserKREATIV

Titel: Danube Panorama Project
Eingereicht von: Michael Aschauer
Projektbeschreibung:
Ziel des „Danube Panorama Project“ ist eine fotografische Bestandsaufnahme der Donau entlang ihrer gesamten schiffbaren Länge von 2380 Kilometern. Der zweitlängste Fluss Europas durchfließt und streift zehn europäische Staaten, an ihm wohnen mehr Völker mit unterschiedlichen Sprachen, Brauchtum und Religionen als an irgendeinem anderen Fluss der Welt. In besonderer Weise ist die Donau nicht nur Natur-, sondern auch Kulturlandschaft. Mit Panorama-Aufnahmen der Donau-Ufer untersucht das Projekt, wie sich die kulturelle Vielfalt visuell im Landschaftsbild niederschlägt. Die Aufnahmen werden in einem Linescan-Verfahren erstellt und fügen sich zu einem einzigartigen Querschnitt Europas zusammen. Bislang sind rund 1000 Kilometer Flussstrecke dokumentiert, das ausgearbeitete Material wurde bereits als Installation präsentiert und ist zudem als öffentliches Online-Archiv unter www.danubepanorama.net sowie in einer Print-Edition verfügbar.
Danube Panorama Project
Foto: Michael Aschauer

Zu den Nominierungen WasserKREATIV

Nominierungen WasserSCHUTZ 

Titel: Multifunktionale Flusslandschaften – potentielle Synergien zwischen ökologischen Erfordernissen und Bedürfnissen der Freizeit- und Erholungsnutzung
Eingereicht von: Sybille Chiari
Projektbeschreibung:
Flüsse und Flusslandschaften erfüllen vielfältige ökologische Funktionen. Diese stehen heute im Gewässermanagement wieder im Vordergrund. Gleichzeitig weisen Flüsse einen hohen Erlebnis- und Erholungswert für die Menschen auf, der durch die Flusseingriffe in der Vergangenheit ebenfalls stark eingeschränkt wurde. Im Rahmen der Dissertation wurde untersucht, wie bei Flussgestaltungen ökologische und soziale Erfordernisse gleichermaßen berücksichtigt werden können. Dazu wurden Nutzungsgewohnheiten und -präferenzen von FlussbesucherInnen erhoben. Anhand der Daten war es erstmals möglich, Zusammenhänge zwischen der naturräumlichen Ausstattung von Flussabschnitten und deren Attraktivität als Erholungsraum zu prüfen. Die Ergebnisse unterstreichen nicht zuletzt, dass Renaturierungen neben den ökologischen Aspekten auch ein hoher gesellschaftlicher Mehrwert zukommt.

Multifunktionale Flusslandschaften
Foto: Sybille Chiari

Titel: Lebensraum im Mündungsabschnitt des Flusses Traisen
Eingereicht von: VERBUND
Projektbeschreibung:
Bei Errichtung des Donaukraftwerks Altenwörth im Jahr 1976 wurde die Traisenmündung in das Unterwasser des Kraftwerks verlegt. Dazu wurde die Traisen, einer der größten Flüsse Niederösterreichs, um 7,5 Kilometer verlängert und in einem regulierten Flussbett geführt. Infolge finden kaum mehr Ausuferungen statt, die Au und deren Gewässerlebensräume verlanden zusehends. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind in ihrem Fortbestand bedroht. Das im EU-Programm LIFE+ geförderte und 2009 gestartete Projekt von VERBUND und PartnerInnen sieht die Herstellung eines natürlichen Flussabschnitts anstelle des regulierten Flussbetts vor. Bestehende Augewässer werden mit dem neuen 12 Kilometer langen Flusslauf vernetzt. Dadurch entsteht eine Vielzahl neuer Lebensräume, die den Bestand gefährdeter Arten sichern. Der neue Traisenunterlauf wird für Fische und andere Lebewesen frei passierbar sein. So werden erstmals seit 35 Jahren wieder Donaufische in die Traisen einwandern können.

Muendung des Flusses Traisen
Foto: VERBUND

Nominierungen WasserWELT

Titel: Faltbarer Wasserfilter für Krisengebiete
Eingereicht von: Veronika Ritzer
Projektbeschreibung:
Als Studentin des Fachs Industrial Design hat Veronika Ritzer in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Roten Kreuz einen Wasserfilter entwickelt, der einfach zu transportieren, aufzubauen und instandzuhalten ist. Die Funktionsweise beruht auf dem Prinzip der Sandfilterung. Gewicht und einzelne Bestandteile wurden maximal reduziert, auf Verschleißmaterial bzw. regelmäßig auszutauschende Teile wurde verzichtet.  Der Filter ist zur Verteilung in Gebieten mit allgemein schlechter Wasserversorgung gedacht. Die Handhabung ist auch für Menschen ohne Vorbildung verständlich und soll eine nachhaltige und eigenverantwortliche Wasserversorgung der Bevölkerung garantieren. Zugleich soll der Filter auch bei Notfällen unterstützend zu Wasseraufbereitungsanlagen zum Einsatz kommen. Der Prototyp wird derzeit in Einsatzgebieten des Roten Kreuzes getestet.

Wasserfilter
Foto: Veronika Ritzer

Titel: Sauberes Trinkwasser für Kamerun
Eingereicht von: Verein „Leben braucht Wasser“ (LBW)
Projektbeschreibung:
Der aus einer privaten Initiative entstandene Verein „Leben braucht Wasser“ hat es sich zum Ziel gesetzt, in wasserarmen Gebieten für die Errichtung von Trinkwasserbrunnen zu sorgen. Die Organisation bildet männliche Bewohner vor Ort dazu aus, eigenständig Brunnen und Trinkwasseranlagen herstellen zu können. Nach Beendigung des Ausbildungsprogramms soll es den Teilnehmern ermöglicht werden, in Kooperation mit dem Verein eine eigene Brunnenbaufirma zu gründen.  Für die Pilotumsetzung wurden Anfang 2010 drei Dörfer in Kamerun festgelegt. Die ersten drei Brunnenprojekte können mit Spenden, die etwa durch die Veranstaltung eines dreitägigen Musikfestivals in der österreichischen Heimatgemeinde des Vereins lukriert wurden, finanziert werden. Unter dem Motto „wasserreich trifft wasserarm“ wurden Schulkinder ebenso in die Veranstaltung eingebunden wie etwa KünstlerInnen aus Afrika.

Brunnenbau_LBW
Foto: LBW

Nominierungen WasserKOMMUNIKATION 

Titel: Ausstellung „blubberblubb – Tauch ein in eine wundersame Wasserwelt“
Eingereicht von: FRida & freD - Das Grazer Kindermuseum
Projektbeschreibung:
„blubberblubb“ ist eine interaktive Ausstellung rund um das Thema Wasser für 3 bis 6-jährige Kinder. In verschiedensten Stationen tauchen die jungen BesucherInnen in die Welt des Wassers ein, experimentieren damit, lernen Fauna und Flora kennen, erkennen wie vielfältig die Erscheinungsformen sind und dass es um große, immer wiederkehrende Kreisläufe geht. Broschüren wie die „Schwimmhilfe“ für Erwachsene liefern wertvolle zusätzliche Informationen. Rahmenprogramme wie ein Mitmachtheater, ein Wasserlabor mit mehr als 70 Experimenten oder Workshops ermöglichen eine noch tiefergehende Auseinandersetzung mit der Materie und sprechen auch ältere Kinder und Jugendliche an.

c FridaFred Fotogaf Hannes Loske
Foto: Grazer Kindermuseum

Titel: Besinnungsbildung Wasser. Buchstaben, Wörter und Geschichten des Lebens
Eingereicht von: Volksschule Dr. Schärf Kapfenberg
Projektbeschreibung:
Die VS Dr. Schärf integriert das Thema Wasser durchgehend von der 1. bis zur 4. Schulstufe in möglichst viele Lernbereiche. Bereits die ersten Buchstaben lernen die Kinder als Wasseralphabet kennen. In den höheren Klassen wird dieses Wasseralphabet um Wörter und Geschichten erweitert. Zum Wort „Apfel“ etwa wurde erarbeitet, wie viel Wasser für die Entstehung eines Apfels notwendig ist. Über die Veranschaulichung der Menge bekommen die SchülerInnen ein Gefühl dafür, warum mit der unendlich groß erscheinenden Ressource Wasser sorgsam umgegangen werden sollte. Weiters wurden etwa Geschichten geschrieben, die am Ufer des nahegelegenen Bachs spielen. Damit wurden den Kindern der Bach und seine Veränderungen während des Jahres näher gebracht. Zugleich wurden auch die Bedeutung des Bachs für die Wirtschaft sowie der lokale Wasserreichtum thematisiert. Um zu wissen, woher das viele Wasser kommt, begab sich die Schule neben vielen weiteren Aktivitäten auch auf eine Exkursion zur Wasserquelle. Ziel ist, dass die SchülerInnen nach vier Jahren über ein nachhaltiges Wasserwissen verfügen.

Kind untersucht Flussinsekt
Foto: VS Dr. Schärf Kapfenberg

Nominierungen WasserKREATIV 

Titel: Die Wasserwächter 1-3
Eingereicht von: Nina Rike Springer 
Projektbeschreibung:
Nina Rike Springer setzt in ihrer Arbeit Gesten und Körpersprache mit Objekten und Räumen in Beziehung. Sie regt dazu an, banale Alltagsprozesse auch als Dokumentation individueller Befindlichkeit zu lesen. In den drei digitalen Bildcollagen zum Motto „Wasserwächter“ werden Menschen gezeigt, die Wasser bewachen. Sie schauen interessiert in verschiedene Richtungen der Landschaft und scheinen etwas zu erwarten. Was sie erwarten könnten, bleibt bewusst für Spekulationen der BetrachterInnen offen. Um ein genaues Hinsehen und kritisches Hinterfragen auszulösen, wird die reale Landschaft in der Darstellung verfälscht. Die in Arrangement und Farbwahl sehr präzise ausgeführten Bilder weisen eine eigene, äußerst originelle Optik auf.

Wasserwaechter, digitale Bildcollage
Foto: Nina Rike Springer

Titel:
ORKO – the hydroponic pavilion
Eingereicht von: Unit1 (Christian Tonko, Titusz Tarnai, Peter Jellitsch)
Projektbeschreibung:
ORKO ist ein Konzept für einen schwimmenden Veranstaltungsraum, in dem auf ungewöhnliche Weise das Ökosystem Wasser und kulturelle Produktion zusammengeführt werden. Zum einen besteht der für die finnische Stadt Turku anlässlich ihres Auftritts als europäische Kulturhauptstadt 2011 konzipierte Pavillon aus einer Kulturzone für Theater und Performances. Zum anderen beherbergt er eine Naturzone mit einem experimentellen „Wasser-Reaktor“. Flusswasser wird in ein auf Straßenniveau erhöhtes Becken gepumpt. In diesem Becken gelangen aufgrund der gewaltigen Rückstände von Düngemitteln im Flusswasser Algenkulturen zur Blüte. Die BesucherInnen werden mit den Algenwucherungen, die jeden Sommer vor den Ostseeküsten geschehen, konfrontiert. Zugleich wird ihnen aber auch die reinigende Wirkung der Algen vor Augen geführt. ORKO macht somit einerseits auf die Bedrohung des ökologischen Gleichgewichts aufmerksam und setzt andererseits gerade in dieses Ökosystem Kunst und Kultur.

Orko
Foto: Unit1