2.230 Einreichungen
Neptun Wasserpreis 2007 - Hilfe zur Selbsthilfe mit Hauptpreis ausgezeichnet
Am 21. März 2007 wurde der Neptun Wasserpreis zum fünften Mal durch Umweltminister Pröll vergeben. 2.230 Einreichungen sind eingelangt und bewertet worden. In fünf verschiedenen Kategorien wurden je 3.000 Euro an die PreisträgerInnen vergeben. Insgesamt konnten Preise im Wert von 41.000 Euro gewonnen werden.
Zum fünften Mal wurde dieses Jahr der Neptun Wasserpreis vergeben. Aus 2.230 Einreichungen prämierte eine Expertenjury das beste und nachhaltigste Projekt rund ums Wasser. Gesamtsieger des Neptun Wasserpreis 2007 ist Familie Suchy, die durch ihr persönliches Engagement die Errichtung einer Trinkwasserleitung in Peru ermöglichte.
Im Bergland der Ostkordilleren lebt in Hochtälern zwischen 3.500 und 4.500 Metern der in großer Armut lebende Volksstamm Q’ero. Der tägliche Wasserbedarf wurde durch ein Gerinne, das von Mensch und Tier gleichermaßen zur Ver- und Entsorgung genutzt wurde, gedeckt. Die Gefahr der Verseuchung war groß. Familie Suchy unterstützte deshalb durch ihre Privatinitiative die Dorfgemeinschaft sowohl fachlich als auch organisatorisch bei der Errichtung einer ordnungsgemäßen Trinkwasserversorgung. Eine Wassergenossenschaft wurde gegründet und die Quelle, die aufgeschlossen werden soll, bestimmt. Zur Finanzierung hat sich das gegründete Comitee del agua potable um regionale Förderungen für Trinkwasserversorgung bemüht, dies blieb jedoch erfolglos. Peter und Herta Suchy riefen deshalb in ihrer lokalen Umgebung, Vösendorf bei Wien, zu Spenden auf. Letztlich konnten die Baukosten zur Gänze aus Geldern von Privatpersonen sowie durch eine Unterstützung der Gesellschaft für bedrohte Völker finanziert werden. Das Projekt zeigt, dass erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit nicht nur durch den Staat oder entsprechende Organisationen, sondern auch durch private Initiativen geleistet werden kann.
Lesen Sie mehr im Siegerfolder und im Abschlussbericht: Siegerfolder Neptun 2007 Abschlussbericht Neptun 2007
In der Kategorie WasserWELT (technologische Lösungen zur Förderung sorgsamer globaler Wassernutzung), die heuer zum ersten Mal ausgeschrieben wurde, gewann das Team von bios 4 mit dem System „Hydrip“ zur Bewässerung arider Gebiete durch Einsparung von Wasser und gleichzeitiger Minimierung der Bodenversalzung das Preisgeld von 3.000 Euro. Hydrip ist eine speziell für Trockengebiete entwickelte Bewässerungsmethode. Das System kombiniert erstmals eine den Wasserverbrauch minimierende Unterflurbewässerung mit einem wasserspeichernden Medium auf Tonmineral-Basis. Tonminerale binden Salze, daher beugt Hydrip zugleich einer Versalzung des Oberbodens vor. Derzeit läuft ein Pilotprojekt zur Optimierung des Systems im Süden Portugals.
Die Hauptschule Groß Gerungs konnte die Expertenjury mit dem umfassenden Schulprojekt „Wir setzen die Schule unter Wasser“ überzeugen und wurde in der Kategorie WasserKOMMUNIKATION (Motivation der Öffentlichkeit zum sorgsamen und aktiven Umgang mit Wasser) ausgezeichnet. Über die Dauer eines Monats hat die Hauptschule Groß Gerungs in einem umfassenden und fächerübergreifenden Ansatz Wasser zum Thema gemacht. Dabei hat die gesamte Schule verschiedenste Projekte umgesetzt. Ob es sich um Unterwasserpoesie im Hallenbad, Installationen zum Hochwasserschutz, physikalische Versuche oder Mundartgedichte handelte, die Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren scheuten keine Mühe, das Motto in die Tat umzusetzen.
Clemens Dorfmann stellte mit seiner Diplomarbeit „Optimierung der Ab- und Aufstauvorgänge bei Stauraumspülungen an der Oberen Mur“ eine praktische Anleitung dar, wie dies bestmöglich in der Wasserkraft umsetzbar ist und wurde zum Sieger in der Kategorie WasserSCHUTZ (ökologisch, nachhaltiger Umgang mit Wasser und Hochwasserschutz) prämiert.
Stauraumspülungen von Flusskraftwerken führen zu starken Abflussänderungen. Ein Spülmanagement ist nötig, um übermäßige Schwall- und Sunkerscheinungen zu vermeiden. Die Diplomarbeit untersucht einen Flussabschnitt der Oberen Mur, der durch vier Kraftwerke beeinflusst wird. Mit den inzwischen in die Praxis umgesetzten Ergebnissen kann eine sehr gute Vergleichmäßigung und Reduzierung der Schwall- und Sunkerscheinungen erreicht werden. Das bedeutet für die aquatische Flora und Fauna eine erhebliche Verminderung der Belastung bei Stauraumspülungen.
Ruth Mateus-Berr schaffte mit Ihrem Projekt „4 layers of sari“ eine Hommage an die Wissenschaft, die durch einfache Mittel hunderttausende Menschenleben rettet - 4 Schichten eines alten Saris filtern bis zu 99% des Cholera transportierenden Planktons aus. Laut einem Forschungsbericht von 2003 kann durch dieses einfache Verfahren der Ausbruch von Cholerafällen weitgehend verhindert werden. Diese Erkenntnis wird in der künstlerischen Arbeit, die in der Kategorie WasserKREATIV (zeitgenössische Kunst zum Thema Wasser) prämiert wurde, sinnlich visualisiert.
Emotionale Erlebnisse mit dem Naturelement Wasser waren in der Publikumskategorie WasserEMOTION gefragt. Aus den über 2000 Fotos, Erzählungen, Fotokollagen und Videos haben die Bundesländer Landessieger gewählt. In Wien haben Joachim Nauen und Christoph Loidl mit ihrem Video „Unser Wasser“ die Jury überzeugt. Es zeigt den Weg des Wassers vom rauschenden Wasserfall oder stillen Bach über Wasserleitungen, Springbrunnen, Toiletteanlagen oder Flaschenabfüllungen bis zu Kanalisation und Kläranlage. Bundessiegerin ist Andrea Mahlknecht aus der Steiermark. Das Siegerfoto, heuer in Schwarz Weiß, zeigt einen Mann im Trenchcoat, der mit Gummistiefel durch eine vom Hochwasser überflutete Strasse geht. Die Emotion in seinem Gesichtsausdruck sagt mehr als tausende Worte.
„Ziel des Neptun Wasserpreis ist es, Bewusstsein für das lebenswichtige Element Wasser zu schaffen. Ohne sauberes Wasser gibt es kein Leben. Es ist Bestandteil unseres Alltags in Kunst und Kultur, Wirtschaft und Innovation, Technologie und Umwelt“, so Umweltminister Pröll.
Getragen wird die Initiative vom Lebensministerium, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA), der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW), dem Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV). Unterstützt wird der Preis von der Kommunalkredit Public Consulting, dem Verbund, Coca-Cola Beverages Austria, der Stadt Wien und den Wiener Wasserwerken sowie den Landesregierungen.